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![]() Kein Schatz mehr: ein Jahr nach dem Kauf für 39,90 Euro sind die Schätze des Alten Syriens bei Momox nur noch Sechsfuffzig wert |
Es ist grauenvoll: Ich sitze in meinem Wohnzimmer, versuche mich zu entspannen, doch aus allen Ecken starren mich wild übereinander gestapelte Bücher an. Die meisten habe ich noch nie gelesen. Sie nehmen nur Platz weg und, was noch viel schlimmer ist: Sie haben einst Geld gekostet. Viel Geld. Geld, was ich nun dringend benötige, um mir eine Digitalkamera zu kaufen. Gibt es nicht eine Möglichkeit, meine Bücher ganz leicht und bequem wieder zu Geld zu machen?
So naiv, wie ich denke, scheint meine Frage gar nicht zu sein, denn wie ich wenig später aus dem Internet erfahre, bietet Momox.de gerade den Service an, den ich so dringend suche: den Ankauf von alten Büchern, CDs, DVDs und Spielen.
Die Idee zu diesem Projekt kam dem gelernten Groß- und Außenhandelskaufmann Christian Wegner bereits 2006, als er - damals noch arbeitslos - Bücher in einem Kreuzberger Antiquariat kaufte, um sie bei ebay und Amazon gewinnbringend zu verkaufen. Momox.de funktioniert im Grunde nicht anders, nur in viel größerem Umfang. Die angekauften Waren verkauft Wegner im In- und Ausland über Marktplätze sowie auf seiner eigenen Plattform Medimops. Bisher hat Wegner einen Umsatz von mehreren Millionen Euro gemacht. Wie ist das möglich? Ich will's wissen.
Momox.de ist leicht zu handhaben. Um sich ein Verkaufsangebot einzuholen, bedarf es nur der Eingabe der ISBN-Nummer bzw. des "Barcodes". Der Titel erscheint und mit ihm das Ankaufsangebot. Doch hier stocke ich.
"Bin ich momox?"
Für Ayla und der Stein des Feuers von Jean Auel bietet mir Momox.de mickrige 0,52 Euro, der Neupreis für die gebundene Ausgabe waren stolze 25 Euro!
Ein Irrtum? Wohl nicht! Denn als ich - nur zum Test - die Buber-Rosenzweig-Bibel eingebe, erhalte ich ein Angebot von 6,51 Euro für alle vier Bände. Der Neupreis war 51 Euro, gebraucht bei Amazon sind noch mehr als 40 Euro fällig.
Auch der wertvolle Katalog zur Ausstellung Schätze des alten Syrien kommt über die 6,51 Euro-Marke nicht hinweg (NP 39,90 Euro) - bei Amazon werden für einen mindestens 29,90 Euro aufgerufen.
Mir reicht`s. Meine Bücher werden bei Amazon.de gebraucht für das Fünffache angeboten. Nun ist klar, wie Wegner seine Millionen macht, er nutzt die Geldgier, Bequemlichkeit und Ungeduld seiner Kunden:
Vielen Leuten ist das Second-Hand-Angebot von Amazon offensichtlich zu kompliziert. Und während man dort manchmal lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, ehe ein Buch verkauft ist und das Geld fließt, lockt Wegner mit Sofortzahlungen.
Aber deswegen bin ich noch lange nicht momox! Zwar kann ich meine Bücher bei Wegner in etwa einer Woche schnell loswerden, doch ist Amazon.de für mich die eindeutig bessere Adresse, um an das Taschengeld für meine neue Digitalkamera zu kommen. Hab ich halt etwas Geduld ...